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Der zerteilte Dialekt

 


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Der zerteilte Dialekt der Litauer

 von Prof. habil. Dr. Zigmas Zinkevièius, Minister a. D.


Der größere Teil des Gebietes von Königsberg (jetzt Kaliningrad) wurde in der Vergangenheit von Litauern (Anm: Letuwininkai, das waren die ehemaligen Bewohner im sog. „Preußisch-Litauen“, die, nach den Ortsnamen dort zu urteilen, seit Urzeiten ein eigenes Idiom sprachen) bewohnt. Der Deutsche (Kreuzritter) Orden begann ab dem 13. Jh. vom Westen, dem Unterlauf der Weichsel her, wo seit Urzeiten die Verwandten der Litauer, die Prußen wohnten, mit der Unterwerfung des Gebietes. Bei ihrem Drang nach Osten und Norden benannten sie alle eroberten Lande, ohne Rücksicht darauf, welche Stämme und Nationen dort lebten und welche Sprache sie sprachen, als prußisch. Die Räuber wurden vom Großfürstentum Litauen an der Memel aufgehalten. Das war der Anlaß zur Entstehung der sogenannten „prußischen“ und „litauischen“ Grenze. In Wirklichkeit war es eine zwischenstaatliche und nicht Volks- oder Sprachgrenze. Der deutsche Sprachwissenschaftler Adalbert Bezzenberger hat vor einem Jahrhundert nach den in den Ortsnamen verborgenen prußischen Wörtern garbis, kaimis, ape und ihren litauischen Entsprechungen kalnas, kiemas, upë, festgestellt. daß die sprachliche und ethnische Grenze zwischen Prußen und Litauern etwa entlang der Deime-, Pregel-, Unterlauf der Alle-, Swine-, Oberlauf der Angerapp bis Dubeningken verlief.

Nach den litauischen Gottesdiensten schließend, die vom 16.- 19. Jh. und auch noch später in den Kirchen stattfanden, reichte das durchgehend litauische Sprachgebiet nicht nur bis zur von Bezzenberger festgelegten Linie, sondern auch noch ein gutes Stück darüber hinaus. Es gibt Daten (die Forschungen vom Historiker Dr. Algirdas Matulevièius), daß die litauische Sprache zeitweilig unmittelbar bis Königsberg, stellenweise über das ganze Samland, Heiligenbeil, Preußisch-Eylau und in bestimmten Sprachinseln bis nach Lyck benutzt wurde. Im Westen von der Linie Gerdauen, Preußisch-Eylau, Königsberg lebten im 17. Jh. meist deutsche Kolonisten mit Resten von beinahe gänzlich verdeutschten Prußen. In geschichtlichen Quellen sind die Namen des Königsberger Gebietes festgehalten. Diese sind überwiegend litauisch, Elemente der prußischen Sprache werden nur ganz wenige entdeckt und diese nur an den westlichen Grenzen, nahe der Bezzenberger Linie.

Im Königsberger Gebiet, und nicht auf dem Territorium der jetzigen Republik Litauen, entstand die litauische Schrift. Hier wurde das erste litauische Buch (1547) und die erste litauische Grammatik (1653) herausgegeben, die Bibel erstmals ins Litauisch übersetzt (1590), hier erschien das erste litauische schöngeistige Buch (Aesops Fabeln, 1706), wurde das erste Universitätsseminar gegründet (nach unserem Sprachgebrauch – der Lehrstuhl der litauischen Sprache, 1718), hier erschien die erste wissenschaftliche Arbeit über die litauische Sprache (1747), wurden die ersten litauischen Gedichte geschrieben, hier entstand letztendlich das unsterbliche Werk von Christian Donalitius „Das Jahr“, (gedruckt 1818), erschien die erste litauische Periodika (1822), hier wurde früher mit der Sammlung der Volkssagen und anderem begonnen. Hier lebten allen Litauern teure Menschen: Martinas Maþvydas, Johannes Bretke, Daniel Klein, Ludwig Rhesa, Christian Donalitius, August Schleicher, Friedrich Kurschat,... Ohne das Königsberger Gebiet gäbe es das heutige Litauen nicht. Im letzten Zeitabschnitt der vereinigten Staaten Litauen-Polen, einem der schwärzesten für die litauische Nation, gedieh im Königsberger Gebiet das Litauertum und die litauische Sprache. Nur ab dem achten Jahrzehnt des 19. Jh., als durch die Initiative des deutschen Königsreich Preußen das Kaiserreich Deutschland gegründet wurde, begann die Verfolgung der Minderheiten, darunter auch die der Litauer Kleinlitauens.

Da wurden die litauischen Schulen geschlossen, die litauische Sprache aus dem öffentlichen Gebrauch vertrieben, man begann die Litauer ohne Rücksicht zu verdeutschen. Die schwersten Tage erlebten die Litauer des Königsberger Gebietes in der Zwischenkriegszeit (damals gehörte das Memelland dem Staat Litauen), als Hitler der Herrscher Deutschlands wurde. Aber auch durch die brutalsten Unterdrückungsmethoden verschwand das Litauertum in diesem Gebiet nicht. Den tödlichen Schlag versetzte ihr der Zweite Weltkrieg und besonders die bolschewistische Okkupation, als die Litauer dieses Gebietes nicht von Deutschen getrennt wurden, sondern zusammen mit ihnen in Massen aus ihren Elternhäusern vertrieben und von den Bolschewisten ermordet wurden.

Die litauische Sprache im Königsberger Gebiet war die natürliche Fortsetzung der Dialekte der litauischen Sprache. Mit Ausnahme der Bewohner eines kleinen Gebietes im nordöstlichen Teil am Kurischen Haff (westlich der Linie Labiau – Kaukehmen), die einen schamaitischen Dialekt sprachen, benutzten alle anderen den westlich- aukðtaitischen Dialekt, der den südlichen Dialekten unserer heutigen West-Aukðtaiten sehr nahe stand. Der west- aukðtaitische Dialekt im Königsberger Gebiet hatte einen nördlichen und einen südlichen Unterdialekt. Der erste (die Kreise Tilsit und Ragnit) unterschied sich durch das Auslassen der kurzen Laute und der Reduktion der langen bei unbetonten Endungen. Der zweite (die Kreise Insterburg, Gumbinnen und Goldap) hatte den Vokalismus der altertümlichen Endungen erhalten, den die gemeinsame litauische Sprache geerbt hat. So erhielten sich im südlichen Unterdialekt die litauischen Wörter vilkas, dirba, myli (Wolf, Arbeit, liebt) wie gewesen, verwandelten sich aber im nördlichen Unterdialekt in vilks, dirb, myl.

Der südliche Teil der West- Aukðtaiter Dialekte im Königsberger Gebiet, selbst sehr archaisch, hatte seit Urzeiten Kontakt mit der prußischen Sprache, die auch eine archaische Art hatte. Sie waren die archaischsten aller Dialekte der litauischen Sprache. Auf Grundlage dieser Dialekte hatte sich in der Mitte des 17. Jh., seit den Zeiten von Johann Rhesa und Daniel Klein, die gemeinsame litauische Schriftsprache geformt, die sich ab Ende des 19. Jh. auch im russisch verwalteten Großlitauen durchsetzte. Also, die Wurzeln unserer heutigen gemeinsamen Sprache liegen im Königsberger Gebiet. Darum auch ist sie so altertümlich, so archaisch und verleiht der litauischen Sprache die Aureole, die archaischste unter allen lebenden indoeuropäischen Sprachen zu sein. Die Fachleute der vergleichenden Sprachforschung weltweit haben an der litauischen Sprache Interesse und erforschen sie. Siebenhundert Jahre lang wurde der gemeinsame west- aukðtaitische Dialekt von einer Staatsgrenze getrennt, beide Teile entfernten sich voneinander, aber die in der Tiefe schlummernde Einheit erhielt sich die ganze Zeit. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gab es eine gute Gelegenheit, diese trennende Linie zu beseitigen und die beiden getrennten Teile des west- aukðtaitischen Dialektes der litauischen Nation zu vereinigen. Leider ist die nicht getan worden.

Siehe hierzu die auf dieser Einstellung basierenden verfälschenden Karten:

Vergleiche dazu die Karten von Buga und der litauischen Archäologin Marija Gimbutas (Quelle: LIETUVOS istorijos atlasas, Briedis Verlag, Vilnius)

Karte 1:

Karte 2:

Vergleiche hierzu die Darstellung von Gerhard Lepa: Die „gequälte“ Geschichte.
 

Quelle:
„Potsdam und das Königsberger Gebiet“, Beiträge einer Konferenz, 238 S., Vilnius 1996;
veröffentlicht in Tolkemita Mitteilungen, waistsennei,
Informationsschrift für Prußen und Prußenfreunde  2 / 2002


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